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Pierre Kromat  ·  Aktienanalyse
Wissensseite · 04/2026 · Fundamentalanalyse

Unternehmenskennzahlen zur Aktienanalyse.

01 · Bewertung

Wie fair ist der Kurs im Verhältnis zu den Fundamentaldaten?

6 Kennzahlen
P/E
P/E · KGV

Kurs-Gewinn-Verhältnis

Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie. Wie viel zahlt der Markt für 1 EUR Unternehmensgewinn. Meistgenutzte Bewertungsgröße weltweit. Vergleich immer innerhalb derselben Branche. Gut: <15× · Fair: 15–20× · Teuer: >20×.

P/B
P/B · KBV

Kurs-Buchwert-Verhältnis

Aktienkurs ÷ Buchwert je Aktie. Vergleich von Marktbewertung mit bilanziellem Eigenkapital. Besonders relevant bei Banken, Versicherern und kapitalintensiven Branchen. Gut: <1,0× · Fair: 1–2× · Teuer: >2,0×.

EBITDA
EV/EBITDA

Enterprise Value zu EBITDA

Beliebteste M&A-Bewertungsmetrik. Unabhängig von Kapitalstruktur und Steuersystem — ideal für internationalen Branchenvergleich und Übernahmeanalysen. Gut: <8× · Fair: 8–12× · Teuer: >12×.

EV/Umsatz

Enterprise Value zu Umsatz

Relevant für wachstumsstarke Unternehmen ohne Gewinn (SaaS, Tech). Zeigt, was der Markt pro Euro Umsatz zu zahlen bereit ist. Gut: <1,0× · Fair: 1–2× · Teuer: >2,0×.

PEG

Price/Earnings to Growth

KGV ÷ jährliche Gewinnwachstumsrate. Korrigiert das KGV um die Wachstumsrate. Wachstumsaktien mit hohem KGV, aber schnellem Gewinnwachstum können trotzdem günstig sein. Günstig: <1,0 · Fair: 1–2 · Teuer: >2,0.

P/S · KUV

Kurs-Umsatz-Verhältnis

Marktkapitalisierung ÷ Jahresumsatz. Nützlich, wenn keine Gewinne vorhanden. Manipulationsresistenter als das KGV, da Umsätze schwerer zu glätten sind als Bilanzgewinne. Gut: <2× · Fair: 2–5× · Teuer: >5×.

02 · Rentabilität

Wie effizient erwirtschaftet das Unternehmen Gewinne?

3 Kennzahlen
ROE
ROE

Eigenkapitalrendite

Jahresüberschuss ÷ Eigenkapital × 100. Zeigt, wie profitabel das Management mit dem Eigenkapital arbeitet. Buffetts Lieblingsmetrik — er sucht dauerhaft >15 % über einen Konjunkturzyklus. Gut: >15 % · Fair: 10–15 % · Schwach: <10 %.

EBITDA-Marge

Operative Ertragsstärke

EBITDA ÷ Umsatz × 100. Operative Ertragsstärke vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Zeigt Profitabilität des Kerngeschäfts unabhängig von Kapitalstruktur und Steuereffekten. Gut: >20 % · Fair: 10–20 % · Schwach: <10 %.

Nettomarge

Gewinn pro Euro Umsatz

Jahresüberschuss ÷ Umsatz × 100. Wie viel Gewinn nach allen Kosten pro Euro Umsatz übrig bleibt. Hohe Nettomargen signalisieren Preismacht — ein starkes Indiz für einen wirtschaftlichen Burggraben. Gut: >15 % · Fair: 5–15 % · Kritisch: <5 %.

03 · Wachstum

Wie schnell wächst das Unternehmen — und ist das Wachstum profitabel?

3 Kennzahlen
Umsatz YoY

Umsatzwachstum

(Umsatz aktuell − Umsatz Vorjahr) ÷ Umsatz Vorjahr × 100. Primäre Wachstumsmetrik. Wichtig: Wachstum muss profitabel sein — reines Umsatzwachstum auf Kosten der Marge ist kein Qualitätsmerkmal. Stark: >15 % · Solide: 5–15 % · Schwach: <5 %.

EPS YoY

Gewinn pro Aktie (EPS)

Wachstum des Gewinns je Aktie. Zeigt, ob das Unternehmen profitabler wird — nicht nur größer. EPS-Wachstum durch Aktienrückkäufe ist weniger nachhaltig als durch operative Verbesserungen. Stark: >15 % · Solide: 5–15 % · Schwach: <5 %.

FCF YoY

Free-Cashflow-Wachstum

Aussagekräftiger als EPS-Wachstum, weil Cashflow schwerer zu manipulieren ist. Unternehmen mit dauerhaft wachsendem FCF schaffen langfristig den größten Aktionärswert. Stark: >15 % · Solide: 5–15 % · Schwach: <5 %.

04 · Bilanz

Wie solide ist die Bilanz — überlebt das Unternehmen die Rezession?

3 Kennzahlen
EK-Quote

Eigenkapitalquote

Eigenkapital ÷ Gesamtkapital × 100. Anteil der Eigenfinanzierung am Gesamtkapital. Hohe Eigenkapitalquote bedeutet größere Krisenresistenz und Unabhängigkeit von Fremdkapitalmärkten. Solide: >40 % · Akzeptabel: 25–40 % · Kritisch: <25 %.

0%100%
Net Gearing

Nettoverschuldungsgrad

(Finanzschulden − Liquidität) ÷ Eigenkapital × 100. Zeigt, wie stark das Unternehmen auf Fremdkapital angewiesen ist. Negative Werte (Net Cash) sind das Ideal. Gut: <50 % · Fair: 50–75 % · Kritisch: >75 %.

EBITDA
Net Debt/EBITDA

Verschuldungsfaktor

Nettoverschuldung ÷ EBITDA. Kernkennzahl für Kreditwürdigkeit. Zeigt, wie viele Jahre operativer Gewinn zur vollständigen Schuldenrückzahlung benötigt würden. Gut: <2× · Fair: 2–3× · Kritisch: >4×.

05 · Cashflow & Markt

Wie viel Cash kommt wirklich an — und wie verhält sich die Aktie zum Markt?

6 Kennzahlen
P/CF

Kurs-Cashflow-Verhältnis

Marktkapitalisierung ÷ operativer Cashflow. Robustere Alternative zum KGV — Cashflow ist schwerer zu manipulieren als Bilanzgewinn. Besonders aussagekräftig bei Unternehmen mit hohen Abschreibungen. Günstig: <10× · Fair: 10–15× · Teuer: >15×.

FCF
FCF

Free Cashflow

Operativer Cashflow − CapEx. Das echte Geld — was nach allen Investitionen übrig bleibt. FCF ist die Basis für Dividenden, Aktienrückkäufe und Schuldenabbau. Wichtigste absolute Cashflow-Metrik. Positiv & wachsend · Positiv stabil · Negativ >2 J kritisch.

β
Beta

Markt-Sensitivität

Kovarianz(Aktie, Index) ÷ Varianz(Index). Misst die Kurssensitivität gegenüber dem Gesamtmarkt. Beta >1 = volatiler als Markt, <1 = defensiver. Relevant für Portfolio-Risikosteuerung. Defensiv: <1 · Wachstum: 1–1,5 · Spekulativ: >2.

Mkt-Cap

Marktkapitalisierung

Aktienkurs × Anzahl ausgegebener Aktien. Gesamtmarktwert aus Aktionärsperspektive. Klassifizierung: Small Cap <2 Mrd. EUR, Mid Cap 2–10 Mrd., Large Cap >10 Mrd. Large: stabil · Mid: Wachstum · Small: Risiko ↑.

Mkt
EV

Enterprise Value

Marktkapitalisierung + Nettoschulden + Minderheiten. Der vollständige Übernahmepreis — was ein Käufer tatsächlich zahlen müsste, inklusive aller Schulden und abzüglich der Kassenbestände. EV < Mkt-Cap (Net Cash) · EV ≈ Mkt-Cap · EV ≫ Mkt-Cap (verschuldet).

%
Yield · Payout

Dividendenrendite

Dividende je Aktie ÷ Aktienkurs × 100. Laufende Ausschüttungsrendite. Payout Ratio (Dividende ÷ EPS) zeigt Nachhaltigkeit — über 75 % gilt als gefährdet. Kombination mit Dividendenwachstum entscheidend. Yield: >3 % · Payout solide: <50 % · Payout kritisch: >75 %.

06 · Anlagestil

Wachstums- vs. Value-Aktien — was zählt wann?

2 Profile
Growth

Wachstums-Profil

Umsatzwachstum: >15 % p.a.
EPS-Wachstum: >15 % p.a.
PEG Ratio: <1,0 — KGV relativ zum Wachstum
EV/Umsatz: <5× (frühe Phase akzeptabel)
FCF-Wachstum: >20 % — wichtiger als aktuelle Marge
EBITDA-Marge: Verbesserungstrend entscheidend
Beta: 1,0–2,0 — höhere Volatilität akzeptiert

Value

Value-Profil

KGV / KBV: <15× / <1,5× (vs. Branchenpeer)
EV/EBITDA: <8× — Kernanforderung
ROE: >15 % dauerhaft über den Zyklus
Net Debt/EBITDA: <2× — krisenresistente Bilanz
Dividendenrendite: >3 % laufender Cashflow
Free Cashflow: Positiv & stabil über min. 5 Jahre
Beta: <1,0 — defensive Positionierung

07 · Fazit

Kennzahlen sind Ausgangspunkt, nicht Endpunkt

04/2026
Merksatz

Eine Aktie mit perfekten Kennzahlen kann eine Falle sein — eine Aktie mit schwachen Kennzahlen selten ein Schnäppchen.

Zahlen sind die Grundlage jeder Anlageentscheidung, aber sie ersetzen weder das Verständnis des Geschäftsmodells, noch die Bewertung des Managements oder das Studium des Wettbewerbsumfeldes. Erst die Kombination aus Kennzahlen-Analyse, qualitativer Bewertung und eigener Recherche macht aus 21 Größen echte Anlageentscheidungen. Fünf Heuristiken halten die Analyse ehrlich: Branchenkontext zuerst — Tech handelt systemisch teurer, Banken systemisch günstiger; Mehrjahrestrend statt Stichtag — eine einzelne Quartalszahl ist Lärm, erst die 5-Jahres-Linie zeigt Qualität; Cashflow vor Bilanzgewinn — Earnings können geglättet werden, operativer Cashflow ist die ehrlichste Kennzahl der GuV; nie auf eine Kennzahl allein vertrauen — ein hohes ROE bei massiver Verschuldung ist gehebelte Schwäche, kein Zeichen von Stärke; qualitative Faktoren entscheiden mit — Management, Burggraben, Wettbewerbsdynamik. Kennzahlen sind das Skelett, das Geschäftsmodell ist das Fleisch.

Aktienanalyse · Sparring

Kennzahlen lesen ist Handwerk. Kapitalentscheidungen sind Strategie.

Aktienanalyse ist die Grundlage. Für strukturierte Portfoliokonstruktion, Asset-Allokation und steueroptimierte Vermögensplanung lohnt sich das Gespräch — kein Verkaufstermin, sondern Sparring auf Augenhöhe.