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Pierre Kromat  ·  Optionshandel & Derivate
Longread · 04/2026 · Finanzbildung

Grundbegriffe im Optionshandel.

01 · Grundtypen

Call und Put — jede Option ist eine der beiden

2 Typen
Call · Bullisch

Kaufrecht

Ein Call gibt dem Käufer das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis (Strike) zu kaufen — bis zu einem bestimmten Datum. Der Verkäufer (Writer) ist zur Lieferung verpflichtet, falls der Käufer ausübt. Profitiert, wenn der Kurs steigt.

Put · Bärisch / Hedge

Verkaufsrecht

Ein Put gibt dem Käufer das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis (Strike) zu verkaufen — bis zu einem bestimmten Datum. Klassisches Absicherungsinstrument gegen fallende Kurse. Profitiert, wenn der Kurs fällt.

02 · Kernbegriffe

Sechs Parameter definieren jede Option vollständig

6 Begriffe
AAPL
Underlying

Basiswert

Das Wertpapier, auf das sich die Option bezieht. Typisch: Einzelaktien, ETFs, Indizes, Rohstoffe, Währungen. Beispiel: AAPL, SPY, Gold-Futures.

$180
Strike

Ausübungspreis

Der vertraglich festgelegte Preis, zu dem der Basiswert gekauft (Call) oder verkauft (Put) werden darf — unabhängig vom Marktpreis. Beispiel: AAPL Strike $180, aktuell $175.

$3,50
Premium

Prämie

Der Preis der Option, den der Käufer zahlt. Setzt sich aus innerem Wert (Kurs vs. Strike) und Zeitwert (Restlaufzeit + Volatilität) zusammen. $3,50 / Kontrakt = $350 (100 Aktien).

Expiration

Verfallsdatum

Datum, bis zu dem die Option ausgeübt werden kann. Nach Ablauf wertlos. Wöchentliche (0DTE), monatliche und lange Laufzeiten (LEAPS: 1–3 Jahre) verfügbar.

USSPX
Style

Ausübungstyp

Amerikanisch: jederzeit ausgebübar. Europäisch: nur am Verfallstag. Die meisten US-Aktienoptionen sind amerikanisch; Index-Optionen oft europäisch (z. B. SPX).

Leverage

Hebelwirkung

Ein Kontrakt kontrolliert 100 Aktien. Kleine Prämie, große Exposition. Hebel verstärkt Gewinne und Verluste gleichermaßen. $350 Prämie kontrolliert $17.000 Aktienposition.

03 · Grundpositionen

Aus diesen vier Positionen entstehen alle Strategien

4 Positionen
01 · Long Call

Bullisch

Kauf eines Calls: Recht auf Aktienabnahme zum Strike. Maximaler Verlust = Prämie. Unbegrenztes Gewinnpotenzial. Typisch für direktionale Wetten auf steigende Kurse. Breakeven: Strike + Prämie.

02 · Long Put

Bärisch / Hedge

Kauf eines Puts: Recht auf Aktienverkauf zum Strike. Absicherung bestehender Positionen oder direktionale Wette auf fallende Kurse. Maximaler Verlust = Prämie. Max. Gewinn: Strike − Prämie.

03 · Short Call

Neutral – Bärisch

Verkauf eines Calls: Prämie kassieren, dafür Lieferpflicht übernehmen. Covered Call (mit Aktienbestand) = klassische Einkommensstrategie. Naked Short Call: unbegrenztes Verlustrisiko.

04 · Short Put

Bullisch – Neutral

Verkauf eines Puts: Prämie kassieren, Pflicht zur Aktienabnahme zum Strike. Cash-Secured Put = Qualitätsaktien günstiger einsammeln. Verlust: Aktie fällt auf null minus Prämie.

04 · Moneyness

Strike vs. Marktpreis — das Verhältnis bestimmt den inneren Wert

3 Zustände
StrikeKurs
ITM

In the Money

Die Option hat einen inneren Wert. Call ITM: Kurs > Strike. Put ITM: Kurs < Strike. Höhere Prämie, hoher Delta, weniger Leverage. Beispiel: AAPL $170, Call Strike $165 → ITM um $5.

=
ATM

At the Money

Kurs ≈ Strike. Kein innerer Wert, nur Zeitwert. Höchster Theta-Zerfall, Delta ca. 0,50. Liquidester Bereich — meistgehandelt. Beispiel: AAPL $170, Call Strike $170.

StrikeKurs
OTM

Out of the Money

Kein innerer Wert, nur Zeitwert. Call OTM: Kurs < Strike. Put OTM: Kurs > Strike. Günstige Prämie, hoher Leverage, häufig wertlos bei Verfall. Beispiel: AAPL $170, Call Strike $185.

ΔΘ
05 · Greeks

Sensitivitäten — wie der Optionspreis auf Marktveränderungen reagiert

5 Greeks
Δ0,50
Delta

Kurssensitivität

Preisänderung der Option bei +1 USD im Basiswert. Call: 0 bis +1. Put: −1 bis 0. ATM ≈ 0,50. Delta 0,70 → Option steigt $0,70 je +$1 Aktie.

Γ
Gamma

Delta-Änderungsrate

Wie schnell Delta sich ändert. Hoch bei ATM-Optionen nahe Verfall. Relevant für dynamisches Hedging. Hohes Gamma = Delta ändert sich schnell — Risiko in den letzten Tagen.

Θ
Theta

Zeitwertverlust

Täglicher Wertverlust durch ablaufende Zeit. Schadet dem Käufer, nützt dem Verkäufer. Beschleunigt sich in den letzten 30 Tagen. Theta −0,05 = −$5/Tag je Kontrakt.

ν
Vega

Volatilitäts-Sensitivität

Preisänderung bei +1 % Volatilität (IV). Hoch bei längeren Laufzeiten. Käufer profitieren von steigender IV, Verkäufer von fallender. Vega 0,10 → +$10 je +1 % IV-Anstieg.

ρLEAPS
Rho

Zinssensitivität

Preisänderung bei +1 % Zinssatz. Für kurzfristige Optionen kaum relevant. Wichtig bei LEAPS — steigende Zinsen erhöhen Call-Prämien leicht. Rho relevant bei Laufzeiten >6 Monate.

06 · Strategien

Sechs Kernstrategien — geordnet nach Komplexität

6 Strategien
Einkommen

Covered Call

Short Call auf eigene Aktienposition. Prämieneinnahme gegen gedeckeltes Aufwärtspotenzial. Ideal in seitwärts- bis leicht bullischen Märkten. Neutral–Bullisch, limitierter Upside.

Einkommen

Cash-Secured Put

Short Put mit vollständig hinterlegtem Kapital. Aktien zum Wunschpreis erwerben und Prämie kassieren. Buffett nutzt diese Strategie regelmäßig. Bullisch–Neutral.

Direktional

Bull Call Spread

Long Call (niedrigerer Strike) + Short Call (höherer Strike). Definiertes Risiko und Ertrag. Günstiger als reiner Long Call — Prämie des Short Calls reduziert Kosten. Bullisch.

Direktional

Bear Put Spread

Long Put (höherer Strike) + Short Put (niedrigerer Strike). Günstiger als reiner Long Put. Für moderaten Kursrückgang — definiertes Risiko. Bärisch.

Volatilität

Long Strangle / Straddle

Kombination aus Long Call und Long Put. Profitiert von starker Bewegung in beliebige Richtung. Straddle: gleicher Strike (ATM). Strangle: unterschiedliche Strikes (OTM). Hohe Prämie.

Seitwärts

Iron Condor

Short Strangle abgesichert durch Long Strangle. Vier Legs, vier Strikes. Prämie kassieren in Range-Märkten. Definierter Gewinn, definierter Verlust. Neutral / Seitwärts.

07 · Risiko

Sechs Regeln, die das Risiko systematisch begrenzen

6 Regeln
DEFINIERT
01

Nur definiertes Risiko handeln

Als Anfänger ausschließlich Long-Optionen oder Spreads mit begrenztem Verlustrisiko. Naked Short Calls oder Naked Short Puts ohne Absicherung erst nach tiefem Verständnis.

5%
02

Max. 5 % je Trade

Nie mehr als 5 % des Optionsportfolios in einen einzelnen Trade. Bei Spreads gilt: das maximale Risiko (Spread-Breite minus Prämie) als Grundlage.

IVR >50
03

Implizite Volatilität prüfen

Optionen bei hoher IV verkaufen (teure Prämie), bei niedriger IV kaufen. IV Rank (IVR) >50 % = guter Zeitpunkt für Prämienverkauf.

30–45 T
04

Verfallsdatum strategisch wählen

Als Käufer: min. 45–60 Tage Restlaufzeit (weniger Theta-Zerfall). Als Verkäufer: 30–45 Tage Restlaufzeit (optimales Theta/Risiko-Verhältnis).

50% raus
05

Early Exit bei 50 % Gewinn

Beim Prämienverkauf: Position bei 50 % Gewinn schließen, nicht bis Verfall halten. Reduziert Gamma-Risiko in den letzten Tagen erheblich. Bewährte Regel bei Tastytrade.

EARN
06

Earnings-Risiko verstehen

Rund um Quartalsergebnisse explodiert die IV (Earnings-Play). Prämienverkäufer riskieren starke Gap-Bewegungen. Käufer zahlen für erwartete Bewegung oft zu viel.

08 · Fazit

Optionen sind kein Werkzeug für Spekulanten — sie sind ein Werkzeug für Präzision

04/2026
Merksatz

Wer Optionen aus Kalkül wählt — nicht aus Gier — nutzt sie als das, was sie sind: Instrumente zur aktiven Risikosteuerung.

Wer Call und Put versteht, wer Greeks liest und Moneyness einordnet, wer Strategien nicht aus Gier, sondern aus Kalkül wählt — der nutzt Optionen präzise. Buffetts Diktum von den „financial weapons of mass destruction“ meinte den Missbrauch — nicht das Instrument. Eine Cash-Secured-Put-Strategie auf eine Qualitätsaktie ist nicht riskanter als ein Limit-Kauf, sie ist disziplinierter. Ein Covered Call ist kein Spekulationswerkzeug, er ist eine Ertragsoptimierung. Ein Bear Put Spread ist kein Wettangebot, er ist eine definierte Absicherung. Das Fundament aus Begriffen, Mechanismen und Greeks ermöglicht das, was Optionshandel von Glaubensspekulation unterscheidet: Präzision in Risiko und Ertrag. Das Fundament steht. Die Anwendung liegt beim Anleger. Finanzbildung ist kein Event — sie ist ein Prozess.

Optionen · Sparring

Finanzielle Präzision als Mandat.

Portfoliosteuerung, Risikooptimierung und strukturierte Investmententscheidungen — Pierre Kromat als Sparringspartner. Kein Verkaufstermin, sondern Sparring auf Augenhöhe.